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HDTV: Fortschritt mit Rückschritt?

An HDTV kommt man beim Kauf eines Fernsehers heute nicht mehr vorbei. Mehr Auflösung, mehr Details, mehr Bedienkomfort – rundum mehr Spaß am Fernsehen. So sollte es sein, doch wie sieht die Realität aus?

Verbraucherunfreundliche Einschränkungen (Thema HD+), Verschlüsselung, längere Umschaltzeiten, der teilweise misslungene Start der neuen öffentlich-rechtlichen HDTV-Angebote am 30. April und in diesem Zusammenhang die fehlende Einspeisung der zehn neuen HD-Sender von ARD und ZDF bei den Kabelnetzbetreibern machen aus dem vermeintlichen Fortschritt in das HDTV-Zeitalter einen mit Rückschritten.

In dem zur Lektüre empfohlenen Artikel “So droht TV der Tod” befasst sich der freie Journalist und Moderator Wolfgang Messer auf seinem Blog mit diesem Thema und kommt zu dem Resümee, dass die TV-Anbieter und Kabelprovider derzeit mit Nachdruck an ihrer eigenen Demontage arbeiten.

Wie sehen die Leser des reelblogs die Zukunft des Fernsehens?

Unitymedia vergrößert HDTV-Angebot um zwei Sender

Wie der in Nordrhein-Westfalen und Hessen aktive Kabelnetzbetreiber Unitymedia gestern bekannt gab, werden in Kürze zwei neue hochauflösende Kanäle eingespeist.

Ab dem 27. September 2011 geht Romance TV HD auf Sendung, Spiegel TV Wissen HD folgt am 4. Oktober 2011. Romance TV zeigt Spielfilme, Serien und anderen TV-Formate, die sich um die Themen Liebe, Familie, Freund- und Feindschaften drehen. In Spiegel TV Wissen stehen die Themen Wissenschaft und Forschung, Mensch und Gesellschaft, Planet und Wildnis im Vordergrund. Der Kanal ersetzt den Sender Spiegel TV Digital, der seinen Sendebetrieb einstellt.
Beide Sender sind Bestandteil des Programmpakets “DigitalTV Allstars HD”, das für 19 Euro pro Monat bei Unitymedia geordert werden kann, ein bestehender Unitymedia-Kabelanschlussvertrag vorausgesetzt.

Außerdem bietet Unitymedia Kunden mit digitalem Kabelanschluss, die bisher keine Programmpakete abonniert haben, ab 27. September 2011 einen “Schnupperkanal” an.
Hier wird jede Woche ein ausgewählter Sender für jeweils sieben Tage ohne Mehrkosten zu sehen seien. Mit diesem Angebot möchte der Netzbetreiber Kunden für seine kostenpflichtigen Zusatzpakete interessieren und werben.

Kabel Deutschland erweitert HDTV-Angebot

Anfang Oktober wird Kabel Deutschland sein HD-Sender-Portfolio um acht hochauflösende Sender erweitern.

Ab dem 5. Oktober 2011 werden zunächst die HD-Pendants der ProSiebenSat.1-Gruppe, also ProSieben HD, Sat.1 HD, Kabel Eins HD und Sixx HD sowie Sport1 HD und Servus TV HD eingespeist. Im Dezember sollen dann zwei hochauflösende Pay-TV-Kanäle folgen. Konkrete Informationen, um welche Sender es sich handelt, will der Kabelnetzbetreiber in Kürze mitteilen.
Die Verhandlungen bezüglich einer Einspeisung des deutschsprachigen HD-Portfolios der RTL-Gruppe (RTL HD, RTL2 HD, Vox HD) ins Kabelnetz laufen nach Auskunft von Kabel Deutschland noch.
Insgesamt wird Kabel Deutschland bis Jahresende dann 26 HD-Programme im Angebot haben. Die öffentlich-rechtlichen Sender bleiben wie bisher unverschlüsselt und ohne Zusatzkosten mit geeigneten HD-Receivern für die Kabelkunden empfangbar. Voraussetzung für den Empfang der neuen privaten HD-Sender sind der Anschluss an das modernisierte Breitbandkabelnetz und ein auf 862 MHz aufgerüstetes Hausnetz.
Auch im Kabelnetz dürfte mit den von HD+ bekannten Aufnahme- und Time-Shifting-Restriktionen zu rechnen sein. Gegenüber DIGITAL FERNSEHEN erklärte ein Sprecher von Kabel Deutschland, dass Aufnahmen von den Sendern gemacht werden können, alle weiteren Restriktionen aber in den Händen der Sendergruppen liegen würden.

Mit der Erweiterung seines HD-Programmangebotes will sich Kabel Deutschland nach eigenen Angaben in Zukunft verstärkt auf HDTV konzentrieren. Im Zuge dieser Neuausrichtung führt der größte deutsche Netzbetreiber ab Oktober auch eine neue Tarifstruktur ein; viele TV-Produkte erhalten zudem neue Namen.
Das neue Angebot für Eigenheimbesitzer und Eigentümer wird Neukunden unter dem Namen “Kabelanschluss HD” für 18,90 Euro pro Monat zur Verfügung stehen. In diesem Paket sollen bereits bis zu sechs der neuen privaten HD-Sender sowie einen HD-Receiver oder ein CI-Plus-Modul enthalten sein.
Mit dem Paket “Kabel Digital” können Mieter, die bislang nur analoges Kabelfernsehen empfangen haben, für 2,90 Euro monatlich den digitalen Empfang dazu buchen. Die neuen privaten HD-Sender sind hier nicht enthalten, lassen sich aber über das Paket “Privat HD” mit ebenfalls bis zu sechs HD-Sendern der Privaten zusätzlich ordern.
Dieses Paket steht auch Bestandskunden zur Verfügung. Ab dem 5. Oktober können diese zu den neuen HD-Angeboten wechseln. Je nach Vertrag wird ein Aufpreis von bis zu 3 Euro fällig. Die Vertragslaufzeit beginnt dann erneut.

Deutsche schauen zunehmend HDTV

Nach einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos im Auftrag von Kabel Deutschland schauen mittlerweile fast die Hälfte, nämlich 44,5 Prozent, aller Deutschen Fernsehen in HD-Qualität.
Dagegen ist das Interesse an den gerade wieder auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) angepriesenen TV-Trends wie dreidimensionales Fernsehen mit 22,1 Prozent und Hybrid-TV bzw. SmartTV, also die Verbindung von Fernseh- und Internet-Inhalten, mit 14,1 Prozent zurzeit eher verhalten.

Leider enthält die Studie keine detaillierten Informationen zum konkreten Konsumverhalten und zur Auswahl der von den Zuschauern bevorzugten (öffentlich-rechtlichen oder privaten) Sendern und Sendungen.
Denn nach wie vor sendet nicht jeder mit dem HD-Logo geadelte Sender tatsächlich auch in hochauflösender Qualität aufgezeichnetes Material aus. So werden nach einem Vergleichstest in der aktuellen Ausgabe (September/Oktober 2011) der CHIP HD-WELT bei vielen Filmen per so genannten Upscaling einfach nur zusätzliche Bildpunkte zum Ausgangsmaterial hinzugerechnet. Das Ergebnis ist mit der Qualität und Brillanz echter HD-Bilder jedoch nicht vergleichbar. “Für den Zuschauer bedeutet dies eine Produktenttäuschung – denn er erhält nicht das brillante Bild, das er erwartet”, so Ingo Kuss, Chefredakteur der CHIP HD-WELT. Sender wie Sport 1 HD und Comedy Central HD haben sich dabei als Mogelpackung herausgestellt; deren Programm ist komplett hochskaliert.
Im Durchschnitt basieren weniger als ein Drittel der gesendeten Filme und Sendungen auf echtem HD-Material. Rühmliche Ausnahme bildet hier Arte HD mit einem Anteil von 45 Prozent in nativem HD. “Die Sender sollten daher zumindest so ehrlich sein und den Zuschauer darüber informieren, welche Sendungen in echtem HD ausgestrahlt werden”, fordert Ingo Kuss. Allerdings informieren derzeit nur die öffentlich-rechtlichen Sender den Zuschauer über hochskaliertes Bildmaterial – die Privatsender schweigen sich dazu lieber aus.

ZDF-Programme ab 2012 in HD

Nachdem die ARD bereits Mitte Februar 2011 mitteilte, seine Dritten Programme ab 2012 in HD senden zu wollen, hat nun auch das ZDF im Rahmen der Fachmesse Anga Cable angekündigt, ab dem 1. Mai 2012 sämtliche ZDF-Programme in HDTV zu übertragen.

Mit Abschaltung der analogen Sat-Signale am 30. April 2012 kann demnach auch ZDFneo, ZDFkultur und der ZDFinfokanal zusätzlich zu seinem Hauptpogramm in hochauflösender Qualität empfangen werden. Bezüglich der Ausstrahlung der HD-Pendants via Kabel und IPTV besteht noch keine Klarheit. Sicher ist, dass die hochauflösenden ZDF-Sender unverschlüsselt verbreitet werden.

HD+ ab Sommer auch bei Sky

Ab Sommer dieses Jahres werden die Satellitenkunden von Sky Deutschland das Sendeangebot von HD+ ein Jahr lang kostenlos nutzen können.

Das ist das Ergebnis einer strategischen Kooperation, die heute von dem Pay-TV-Anbieter Sky Deutschland und der Astra-Tochter HD Plus GmbH bekanntgegeben wurde. Sky-Kunden, die den Abosender via Kabel empfangen, steht das Angebot nicht zur Verfügung. Nach Ablauf der kostenlosen zwölfmonatigen Probephase sind jährlich 50 Euro zahlen, um die HD-Pendants von RTL, RTL2, Vox, ProSieben, Sat1, Kabel Eins, Sport 1 und Sixx wiedergeben zu können.

Voraussetzung für den Empfang bzw. die Freischaltung von HD+ ist die V13-Smartcard mit NDS-Videoguard-Verschlüsselung von Sky. Die ältere Nagravision-Smartcard vom Typ S02 wird nicht unterstützt.

Die bei HD+ bekannten Aufnahme- und Time-Shifting-Restriktionen greifen nach Bestätigung durch Moritz Wetter, Unternehmenssprecher bei Sky, auch bei der Freischaltung auf den Sky-Smartcards: “Das HD+ Angebot, das ab Sommer über Sky zu empfangen sein wird, unterscheidet sich nicht vom bereits erhältlichen HD+ Angebot. Insofern müssen wir die geltenden Vorgaben seitens der HD+ Sender beachten”.

Dritte Programme ab 2012 in HD

Seit einem Jahr senden die öffentlich-rechtlichen TV-Sendeanstalten von ARD und ZDF inzwischen im HDTV-Regelbetrieb. Dazu kommen die Spartenkanäle Arte und EinsFestival, die ebenfalls in hochauflösender Qualität empfangen werden können.

2012 wollen die Öffentlich-Rechtlichen ihr Programmangebot nun ausweiten und auch einige der so genannten Dritten Programme in HD-Qualität ausstrahlen. Dies teilte die neue ARD-Vorsitzende Monika Piel in einem Interview gegenüber der Multimedia-Illustrierten Infosat mit. Der Zeitpunkt für die HD-Programmerweiterung hängt – wie von Piel erklärt – eng mit der Beendigung der analogen Satellitenausstrahlung zusammen, diel zum 30. April 2012 erfolgen soll.

Welche Programme hier in Frage kommen, steht noch nicht endgültig fest, allerdings sei derzeit geplant, “dass neben Das Erste HD und Arte HD auch Phoenix HD sowie zunächst die Anstaltsprogramme BR-Fernsehen HD, NDR-Fernsehen HD, SWR-Fernsehen HD und WDR HD aufgeschaltet werden”, so Piel. Für Eins Plus oder Eins Extra gibt es hingegen noch keine Pläne für eine hochauflösende Ausstrahlung.

Die Umstellung soll, wie Piel auf der kürzlich in Köln gehaltetenen Pressekonferenz zur Intendantenkonferenz ergänzend mitteilte, nicht für alle Sendeanstalten parallel, sondern staffelweise vollzogen werden: “Die Entscheidung, wann mit HDTV begonnen wird, trifft jede Anstalt für sich”.

Da die Landesrundfunkanstalten die Mehrkosten für die Ausstrahlung ihrer HD-Programme selbst tragen müssen, kommen zwangsläufig die finanziell besser ausgestatteten großen Anstalten wie WDR, SWR, BR als erste zum Zuge, während die kleinen Rundfunkanstalten wie Radio Bremen oder Saarländischer Rundfunk das Nachsehen haben.

Vierschanzentournee 2010/2011 in HDTV

Erstmals übertragen ARD und ZDF die traditionelle Vierschanzentournee zum Jahreswechsel 2010/2011 in hochauflösender Qualität.

Insgesamt sollen 33 Kameras zum Einsatz kommen, neben Superslomo- und Highspeed-Kameras auch eine so genannte Camcat, die den Springer vom Turm bis zur Landung verfolgt.

Die Sendezeiten (vorbehaltlich etwaiger Änderungen) im Einzelnen:

Dienstag, 28 . Dezember 2010
15.05 bis 17.15 Uhr: Qualifikation Oberstdorf (ZDF)

Mittwoch, 29. Dezember 2010
15.50 bis 18.00 Uhr: Springen Oberstdorf (ZDF)

Freitag, 31. Dezember 2010
13.40 bis 15.00 Uhr: Qualifikation Garmisch-Partenkirchen (ARD)

Samstag, 1. Januar 2011
13.45 bis 16.00 Uhr: Springen Garmisch-Partnerkirchen (ARD)

Sonntag, 2. Januar 2011
13.35 bis 14.45 Uhr: Qualifikation Innsbruck (ARD)

Montag, 3. Januar 2011
13.45 bis 15.45 Uhr: Springen Innsbruck (ARD)

Mittwoch, 5. Januar 2011
15.50 bis 17.20 Uhr: Qualifikation Bischofshofen (ZDF)

Donnerstag, 6. Januar 2011
15.45 bis 18.10 Uhr: Springen Bischofshofen (ZDF)

Das fehlende Plus bei HD+

Seit dem 1. November 2010 verbreitet der Spartensender Sport1 seinen hochauflösenden Ableger über die Satellitenplattform HD+. Der allerdings sehr geringe Anteil an nativen HD-Inhalten führte zu Kritik bei den Zuschauern.

Gegenüber dem Branchendienst DIGITAL FERNSEHEN räumte ein Sprecher des Senders nun ein, dass Sport1 HD sich derzeit noch in der Startphase befinde. Durch entsprechende Investitionen wolle der Sender sicherstellen, “in absehbarer Zeit den Anteil an nativem HD-Programm signifikant ausbauen zu können”. Zudem befinde sich Sport1 “in Gesprächen mit verschiedenen Lizenzgebern und Produktionsfirmen, um das entsprechende Sendematerial künftig in HD-Qualität geliefert zu bekommen”.

So bleibt die Frage, ob ein Sender, der mit hochauflösender Qualität wirbt, aber noch nicht einmal ein Minimum an nativem HD-Content anbietet, hier nicht doch die Konsumenten täuscht? Wo ist das Mehr an HD, das HD+ mit seinem Plus verspricht?

Beim Betreiber HD+ hält man sich in dieser Sache zurück und lässt über seinen Sprecher, Michael Jachan, auf Anfrage von DIGITAL FERNSEHEN erklären: “HD Plus ist die technische Plattform, die den Sendern ermöglicht, ihre Programme in HD zu zeigen.” Was ein Sender daraus macht, bleibt also ihm überlassen.

Und von dem Vorschlag, native HD-Inhalte zur Unterscheidung zwischen “echtem” und hochskaliertem HDTV klar zu kennzeichnen, ist man seitens HD+ natürlich wenig begeistert, würde es doch beweisen, dass aktuell ein Großteil des über HD+ ausgestrahlten Programms lediglich auf eine höhere Auflösung umgerechnet wird.

Anteil der TV-Kabelanschlüsse rückläufig

Nach einer vom Magazin Focus heute, 28. November 2010, vorab veröffentlichten Marktforschungsstudie geht der Anteil der Kabelanschlüsse seit 2005 kontinuierlich zurück.

Immer mehr deutsche Haushalte schalten ihren TV-Zugang auf Satellit oder Internet um. Während der Anteil der Kabelanschlüsse von 57,6 Prozent in 2005 auf 52,7 Prozent in 2010 zurückging, erhöhte sich der mit Satellitenanlagen ausgestattete Anteil von Haushalten im gleichen Zeitraum von 41,2 Prozent auf 45,7 Prozent. Auch der Bereich Internet-TV (IPTV) verzeichnete gegenüber 2007 mit 3,2 Prozent einen Anstieg auf 5,4 Prozent in 2010.

Die Studie basiert auf einer Befragung von 21.681 Teilnehmern zu Ausstattung mit Kabelanschlüssen, Satellitenempfangsanlagen, Settop-Boxen und Internet-TV.

Das zum Teil mangelhafte Senderangebot gerade im Bereich HDTV, Grundverschlüsselung, proprietäre Receiver und die fast monopolistische Stellung der Kabelprovider verärgert also offensichtlich zunehmend mehr Kunden und bestätigt damit auch die bisherigen schlechten Umfrageergebnisse zum Thema Kabel-TV, s.a. reelblog-Artikel ‘HDTV im Kabel ein einziges Ärgernis‘.

Anixe HD stellt Ausstrahlung via Satellit ein

Der hochauflösende Free-TV-Sender Anixe HD hat seine Ausstrahlung via Satellit zum heutigen Donnerstag, 25. November 2010, eingestellt.

Nach eigenen Angaben will der Familiensender Anixe zum Jahresende seine Verbreitungswege neu ordnen und so seine Gesamtreichweite weiter auszubauen. Hierzu startet der Sender ab 1. Dezember 2010 eine Kooperation mit dem Sender Das Vierte. Anixe erhält somit Zugang zu über 30 Millionen Haushalten, was nach Angaben von Anixe einer Reichweitensteigerung von mehr als 20 Millionen entspricht.

Infolge der Umstrukturierung entfällt die HD-Ausstrahlung über Astra. Anixe SD wird aber weiterhin digital per Astra empfangbar sein. Anixe HD hingegen soll zukünftig nur noch in Kabelnetzen und per IPTV zu sehen sein.

Mit der Abschaltung von Anixe HD via Satellit geht über diesen Übertragungsweg einer der beiden frei empfangbaren, deutschsprachigen HDTV-Sender verloren. Der österreichische ServusTV HD bleibt damit der zur Zeit einzige werbefinanzierte und uncodierte HDTV-Kanal über Satellit.

sixx ab Dezember 2010 in HD

Die Satelliten-Plattform HD+ erhält zum 1. Dezember 2010 mit dem Frauensender sixx weiteren Zuwachs.

Sixx HD ist dann neben den Schwesterkanälen ProSieben HD, Sat.1 HD und kabel eins HD und den RTL-Sendern RTL HD, VOX HD, Sport1 HD sowie dem ebenfalls am 1. Dezember startenden RTL2 HD der achte Privatsender im Angebot von HD+.

HD-Paket bei Unitymedia bald ohne Zwangsreceiver?

Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia will seinen Kunden in Nordrhein-Westfalen und Hessen zukünftig den Empfang der hochauflösenden Programmangebote offenbar auch auch ohne Zwangsreceiver ermöglichen.
Das teilen heute der Branchendienst DIGITAL FERNSEHEN und das Magazin Sat+Kabel unter Berufung auf eine Twitter-Nachricht eines Unitymedia-Mitarbeiters mit.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Beschwerden über die von Unitymedia mit einer Monatsgebühr von sechs Euro vermietete Einheitsbox und deren technische Mängel.

Wie User im inoffiziellen Unitymedia-Forum vermuten, werden die HD-Pakete ab dem 1. Dezember 2010 alternativ als “nur Karten”-Vertrag angeboten. Es wird weiter spekuliert, dass in dem neuen Angebot nur noch Smartcards vom Typ UM02 unterstützt werden; diese Karten funktionieren in Kombination mit einem Alphacrypt-Classic-Modul und in den zertifizierten Receivern von Unitymedia. Der auch mit dem günstigeren Alphacrypt-Light funktionierende Kartentyp I02 wird sich indes voraussichtlich nicht freischalten lassen.

Eine offizielle Bestätigung seiten Unitymedia liegt noch nicht vor. Auf Anfrage von DIGITAL FERNSEHEN hieß es lediglich, dass man derzeit mehrere technische Optionen für die Verbreitung von den bei Unitymedia eingespeisten HD-Sendern prüfe. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt könne man aber auch aufgrund laufender Gespräche mit den privaten Sendeunternehmen noch keine konkreten Aussagen hierzu treffen.

HDTV im Kabel ein einziges Ärgernis

Im Ergebnis einer aktuellen Online-Umfrage des Magazins Sat+Kabel schneidet das bei den deutschen Kabelnetzbetreibern wie Unitymedia, Kabel Deutschland (KDG) oder Kabel-BW angebotene hochauflösende Fernsehen insgesamt schlecht ab.

37 Prozent von derzeit rund 1.500 Teilnehmern betrachten die HD-Versorgung in den Kabelnetzen als “ein einziges Ärgernis”. Nicht einmal 2 Prozent der Befragten sind mit dem Angebot zufrieden.
Das geringe Angebot an hochauflösenden Sender wird von gut einem Drittel bemängelt.
Über ein Viertel interessiert die Frage nach “HDTV-Sender im Kabel” nicht mehr, weil sie entweder auf Satellit umgestiegen sind oder ihr Fernsehen per IPTV beziehen.

Die Erhebung von Sat+Kabel wird auch von einer Umfrage im Internet von AUDIO VIDEO FOTO BILD im September/Oktober dieses Jahres weitgehend bestätigt. Hier wurden mehr als 3.500 Leser zu ihren Erfahrungen mit HDTV befragt.
Schwache 15 Prozent der Kabelkunden gaben sich mit dem Angebot an empfangbaren HDTV-Programmen zufrieden.
Zudem wurde von zwei Drittel der befragten Kabelkunden über Empfangsprobleme mit Bild- und Tonausfällen im Kabelnetz berichtet, was auf die unterschiedliche Netzqualität in den Bundesländern zurückzuführen sei.
Ein weiterer Kritikpunkt sind die von den Kabelanbietern vermieteten HDTV-Receiver, die als störanfällig und wenig komfortabel bewertet wurden.

Ein Jahr HD+ und nun?

Nun ist es soweit: Das erste Jahr Gratisnutzung HD+ ist für die Erstabonnenten vorbei oder neigt sich dem Ende zu.

Und wie der Autor Roger Baur in einem Artikel des Blogs klarsicht.mattschiibe.ch treffend feststellt, muss zum ersten Mal in der Fernsehgeschichte des deutschsprachigen Raumes für den Empfang eines werbefinanzierten Privatsenders bezahlt werden: ‘HD+ macht ernst: RTL & Co. wollen Geld sehen‘.

Es stellt sich also die Frage, ob und wie viele der Kunden bereit sind, zukünftig 50 Euro für die Verlängerung ihres Abos bzw. 55 Euro für eine anonyme Smartcard pro Jahr für ein werbefinanziertes Fernsehen in HD-Qualität zu bezahlen.
Die aktuellen Umfragen zum Thema HD+, z.B. der Zeitschrift “Audio Video Foto”, sagen aus, dass nur 7 Prozent der befragten Leser bereit sind, ihr Abo zu verlängern. Knapp ein Viertel würde es sich unter der Voraussetzung, dass die monierten Mängel von HD+ beseitigt werden, ggf. noch einmal überlegen.

Doch gerade die umstrittenen und mehrfach kritisierten Aufnahme- und Time-Shifting-Restriktionen, in den Spezifikationen zwar vorgesehen, aber großteils noch nicht umgesetzt, werden kommen. In einem Interview gegenüber dem Medienmagazin dwdl.de erklärt Timo Schneckenburger, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb bei HD Plus, dass die Beschränkungen nicht als Rückschritt bei der Benutzerfreundlichkeit gesehen werden dürfen. Vielmehr sei das Produkt HD+ ein Fortschritt. “Der Zuschauer bekommt etwas, was er vorher nicht hatte. Wir nehmen den Leuten nichts weg, mit HD+ kommen die Privaten in HD-Qualität zusätzlich zum gesamten Angebot über Astra in die TV-Haushalte”.
Auch seien die Einschränkungen bei den Aufnahmen für viele Leute “gar kein so dramatisches Problem, wie es oft dargestellt wird. Das zeigt auch das Feedback unserer Kunden. Aber natürlich ist es zunächst ungewohnt, wenn eine gelernte Form der Mediennutzung Einschränkungen unterliegt.”
Allerdings sei der momentane Status Quo in punkto Wiedergabe von HD-Aufzeichnungen auch noch nicht der Idealzustand. “Die Aufgabe ist es dem Zuschauer zu ermöglichen, zwischen den Werbeinseln vor und zurückzuspulen. Das ist der Konsens zwischen HD PLUS und den Sendern”, so Schneckenberger.

Also alles gar nicht so schlimm?!
Naja – was bitte schön soll fortschrittlich daran sein, technische Einschränkungen und zusätzliche Kosten trotz Werbung in Kauf zu nehmen? Mit Grundverschlüsselung, Smartcard-Zwang und dem zwingenden Einsatz proprietärer Receiver ergibt sich – zumindest aus Verbrauchersicht – sicher keine zukunftsorientierte Entwicklung.

Es bleibt abzuwarten, wie sich HD+ tatsächlich am Markt platzieren kann. Auch bei HD Plus mag man noch keine konkreten Zahlen bestätigen. “Wirklich belastbare Daten für eine valide Prognose werden wir wohl erst in sechs bis acht Monaten haben”, so Timo Schneckenburger im Interview mit dwdl.de. Aktuell habe der Handel “weit mehr als 300.000 HD+ Receiver und gut fünfstellig CI Plus Module verkauft”.
Damit relativiert sich der im Juli 2010 gegenüber der Presse verbreitete Erfolgskurs: Seinerzeit gab HD Plus an, mehr als eine Million HD+-Karten an den Handel ausgeliefert zu haben.
Im Vergleich zu den ca. 12,5 Millionen Haushalten mit digitalem Satelliten-Empfang, von denen nach neuesten Erhebungen immerhin rund die Hälfte mit HD-fähigen Fernsehern ausgestattet sind, verkümmert der angebliche Erfolg weiter. Und bezogen auf die insgesamt ca. 35,5 Millionen TV-Haushalte ergibt sich ein schwacher Marktanteil von unter einem Prozent.

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